Markus Wicki, Bauer und Köhler aus Romoos. Seine Vorgänger lieferten Stoff für Märchen und Gruselgeschichten, da sie einsam und verrusst im Wald lebten und nur alle paar Wochen in die Dörfer kamen.
Markus Bühler
Für die Herstellung der Kohle werden alle Holzarten der umliegenden Wälder verwendet.
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Wicki schichtet das Holz zu einer Art Iglu auf. Dieses ist etwa vier Meter hoch.
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In der Mitte eines sogenannten Meilers befindet sich ein Kamin, der später mit glühender Kohle gefüllt wird.
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Die Arbeit ist sehr anstrengend und braucht viel Kraft.
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Der Meiler wird rundum mit Fichtenreisig zugedeckt und anschliessend mit einer Schicht aus Kohlensand und Erde luftdicht abgeschlossen. Der Bau eines Meilers dauert ungefähr zwei Wochen.
Markus Bühler
Nachdem Wicki Luftlöcher in den Haufen gestochen hat - das Feuer muss etwas Sauerstoff erhalten -, wird er angezündet.
Markus Bühler
Die nächsten zwei Wochen muss Wicki den Kohlehaufen Tag und Nacht stampfen um Luftlöcher zu vermeiden. Er legt Brennmaterial nach oder kühlt mit Wasser ab, damit der Haufen konstant schwelt.
Markus Bühler
Alle zwei Stunden kontrolliert der Bauer den Meiler, deswegen hat er sich in einem Bauwagen nebenan einen Schlafplatz eingerichtet.
Markus Bühler
Steigt der Rauch weiss auf, ist er wasserdampfhaltig. Das heisst, dem Holz wurde noch nicht genügend Feuchtigkeit entzogen.
Markus Bühler
Wird der Rauch bläulich, ist der Prozess abgeschlossen.
Markus Bühler
Vier Wochen lang muss die Kohle abgedeckt unter einer Folie auskühlen, bevor sie in Säcke abgefüllt wird.
Markus Bühler
Das "schwarze Gold" riecht würzig, klirrt wie Glas und verbrennt langsamer als industriell gefertigte Holzkohle.
Markus Bühler
Im Herzen der Innerschweiz stellen nur noch neun Köhler von Hand Holzkohle für den Grill-Bedarf her. Einer von Ihnen ist der Bauer Markus Wicki – einer der letzten. Die von ihm hergestellte Kohle ist bei den Schweizerinnen und Schweizern sehr beliebt.
Markus Bühler (Fotos), Ester Unterfinger (Bildredaktion & Text)
Im Entlebuch, einem abgelegenen Tal im Kanton Luzern, wird seit Jahrhunderten geköhlert. Für die Bauern ist es ein Nebenerwerb, um die Einnahmen aufzubessern. Das war schon immer so. Wald gibt es in der Region genügend und in der unwegsamen Gegend konnte das Holz schlecht abtransportiert werden. Daher wurde es vor Ort zu Kohle verarbeitet.
Markus Wicki und seine Kameraden sind Protagonisten eines Dokumentarfilms, der die Tradition und den täglichen Kampf ums das Überleben dieser Kunst, beleuchtet. Wicki erzählt mit russverschmiertem Gesicht: «Es ist ein Riesenchrampf, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen und nebenbei Kohle herzustellen.» Wicki führt eine Kälbermast, erzielt aber mit der Köhlerei über die Hälfte seines Einkommens.
Rund sechs Tonnen Holz schichtet Wicki mit seinen Helfern, meist pensionierten Bauern aus der Gegend, für einen Kohlemeiler auf. «Die Köhlerei ist ein hartes und dreckiges Handwerk», sagt Wicki. Freizeit kennt er während des Köhlerns nicht, das Feuer muss rund um die Uhr bewacht werden. Er sei wohl der Letzte, der auf dem Hof Kohle brenne. Wicki hat drei Töchter, doch diese haben andere Pläne für ihre Zukunft. Es ist schwierig, für dieses anstrengende Handwerk Nachwuchs zu finden.
Die Kunst, aus Holz Kohle herzustellen, hat in Wickis Heimat eine lange Tradition. Holzkohle erzeugt sehr grosse Hitze. Früher wurde sie für die Gewinnung von Erzen, zur Herstellung von Glas und in der Schmiederei verwendet. Mit dem Ausbau der Verkehrswege und der Elektrifizierung sank die Nachfrage rapid, man konnte Bügeleisen und Kochherde elektrisch betreiben und günstigere Steinkohle wurde aus dem Ausland importiert. Nach dem zweiten Weltkrieg erloschen viele Kohlemeiler endgültig. Die Zukunft der Köhlerei sah schwarz aus.
Retter der Schweizer Holzkohle
1986 hatte der mittlerweile verstorbene Parlamentarier und Industrielle Otto Ineichen die Idee, statt Industrie- in Zukunft Grill-Holzkohle zu machen. Der Plan ging auf, heute verkaufen die Entlebucher Bauern 17’000 Sechs-Kilogramm-Säcke bei «Otto’s», einem Schweizer Detailhändler. Die Nachfrage ist grösser als die Köhler produzieren können. In der Schweiz werden jährlich 10’000 Tonnen Holzkohle hauptsächlich zum Grillen verbrannt. 1 Prozent davon stammt noch aus der Napf-Region.
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