Was der Arbeiter mit Zigarette im Mund auf diesem Bild von 1995 anfertigte, war ein künstliches Hüftgelenk. Hersteller Sulzer Medica gibt es in dieser Form nicht mehr.
Keystone / Archive
Eine Frau wartet mit einer Zigarette auf ihr Mittagessen. 2005 war dies in der Schweiz noch möglich.
Keystone / Martin Ruetschi
Im Liftbereich auf den Gängen des Inselspitals Bern, aufgenommen 2004.
Keystone / Gaetan Bally
Die Zigarette gehörte gerade in der Presse zur erweiterten Berufsausstattung: Fotograf an den Lauberhornrennen 1968.
Keystone
Es gibt Gesetze. Und dann gibt es Traditionen. Eine solche besagt: An den Viehschauen und am Funkensonntag dürfen im Kanton Appenzell Innerrhoden auch Kinder rauchen. Aufnahme von 2013.
Keystone / Gian Ehrenzeller
Die Bundesräte Pierre Aubert und Otto Stich 1984. Pfeifenraucher galten noch vor kurzem als besonders reflektierte Zeitgenossen. Tempi passati: Heute sieht man sie in erster Linie als Raucher.
Keystone / Str
Nationalrat Elmar Ledergerber zündete sich 1998 im Nationalratssaal eine Pfeife an. Auch dort herrscht heute Rauchverbot.
Keystone / Alessandro Della Valle
DIese Freiheit nahm er sich immer: Der spätere Swatch-Unternehmer Nicolas G. Hayek, aufgenommen in den 70er-Jahren mit einer Pfeife. Später wechselte er zu Zigarren.
Keystone / Str
"Das stinkt uns", war das Motto dieser Raucherdemonstration von 2008. Die Teilnehmer demonstrierten gegen das Rauchverbot in Restaurants.
Keystone / Regina Kuehne
So rauchten unsere ehemaligen Kollegen beim Schweizerischen Kurzwellendienst. Bei uns in der Redaktion gibt es noch einige Raucher. Ihnen steht unter freiem Himmel eine Raucherzone zur Verfügung. Vor dem Gebäudeeingang aber ist ihnen das Rauchen nicht erlaubt.
Walter Studer / swissinfo.ch
Im Zug von Schüpfheim nach Konolfingen, 1. Klasse, 2003.
Keystone / Martin Ruetschi
In der Schweiz sind die Orte, an denen Rauchen erlaubt ist, in den letzten zwanzig Jahren immer weniger geworden. Dabei nahmen die Behörden vor allem die Tabakkonsumenten ins Visier. Gegenüber den Tabakproduzenten zeigten sie sich deutlich nachsichtiger. Doch der Wind scheint sich zu drehen.
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Ich mag es, auf Leute zuzugehen. Meine Lieblingsbereiche sind Politik, Asyl und nationale Minderheiten. Als ausgebildete Radiojournalistin hatte ich vorher sowohl bei Radiosendern im Jurabogen gearbeitet und auch als Freischaffende.
Ich arbeite als Journalist, Editor und Bundeshauskorrespondent für SWI swissinfo.ch. Für die Auslandschweizer:innen berichte ich über die Schweizer Politik, zudem leite ich unsere politische Talkshow Let's Talk.
Meine journalistische Laufbahn begann in den frühen 1990er-Jahren im Lokaljournalismus. Seither habe ich in vielen Bereichen dieser Branche gearbeitet, leitende Positionen übernommen und verschiedene Dossiers betreut. 2017 bin ich zu SWI swissinfo.ch gestossen.
Raucher in der Schweiz: Ihre Art zu konsumieren und ihr Platz in der Gesellschaft haben sich in den letzten zwanzig Jahren stark verändert. Grund dafür sind neue Vorschriften, eine grössere Produktenvielfalt und ein Mentalitätswandel.
Enorm verändert hat sich die Toleranz gegenüber Rauchern. Noch in den 1990er-Jahren konnte sich jeder ohne Probleme bei der Arbeit, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder gar in einem Spital eine Zigarette anzünden. Seither haben aber neue Vorschriften zur Bekämpfung des PassivrauchensExterner Link diese Freiheiten stark eingeschränkt.
In der Schweiz ist das Rauchen in geschlossenen Räumlichkeiten, die öffentlich zugänglich sind oder die von mehreren Personen als Arbeitsplatz genutzt werden, seit 2010 verboten. Dazu gehören Schulen, Spitäler oder Einkaufszentren. Das Verbot gilt auch für Restaurants, Bars und Diskotheken. Jederzeit erlaubt ist die Einrichtung eines sogenannten «Fumoirs». Seit dem 1. Juni dieses Jahres ist auch das Rauchen in den BahnhöfenExterner Link verboten.
Diese neuen Einschränkungen haben die Belastung durch Passivrauchen deutlich reduziert: 2002 waren 26% der Nichtraucher mindestens eine Stunde am Tag dem Tabakrauch ausgesetzt. Dieser Prozentsatz sank 2017 auf 6%.
Zurückhaltung bei Werbeverbot
Die Behörden beschlossen also, die Schraube gegenüber Rauchern und Raucherinnen anzuziehen. Eine ganz andere Haltung nahmen sie aber gegenüber den Tabakproduzenten ein, von denen viele in der Schweiz ansässig sind (JTI, BAT, PMI). Ein erster Versuch der Regierung, Tabakwerbung zu verbieten, scheiterte 2016 im Parlament – auch auf Druck der multinationalen Konzerne.
Dabei hat die Schweiz diesen Vertrag 2004 unterzeichnet. Ratifiziert allerdings ist er noch nicht, weil das Parlament bisher nichts von einer Einschränkung der Tabakwerbung wissen wollte.
Öffentliche Gesundheit im Fokus
Doch nun scheint der Wind zu drehen: Jetzt ist es der Ständerat selbst, der die Regierung auffordert, die neue Fassung des Gesetzes zu verschärfen. Er hat den Vorschlägen seiner Kommission zugestimmt, Tabakwerbung im Radio und Fernsehen, aber auch in Zeitungen, Zeitschriften, anderen Publikationen und im Internet zu verbieten.
Der Ständerat beschloss ausserdem, das Sponsoring durch Tabakkonzerne von Veranstaltungen, die in der Schweiz stattfinden, aber international ausgerichtet sind, sowie von Veranstaltungen der Schweizer Behörden (Bund, Kantone oder Gemeinden) zu verbieten.
Die Parlamentarier begründeten ihre Kehrtwende damit, dass es nun darum gehe, die WHO-Anforderungen zu erfüllen und die Jugend zu schützen. Die öffentliche Gesundheit sei höher zu gewichten als die Wirtschaft.
Der Ständerat wird seine Diskussion über den Gesetzesentwurf nächste Woche fortführen. Danach beschäftigt sich der Nationalrat (grosse Kammer) mit dem Thema. Ein erster Schritt in Richtung Ratifizierung des WHO-Übereinkommens scheint aber dennoch getan.
(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)
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