Sollte die Schweizer Wirtschaft gezwungen werden, die Grenzen der Natur zu respektieren?
Am 9. Februar stimmen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über die Umweltverantwortungsinitiative ab. Sie verlangt, dass die Wirtschaft die planetarischen Grenzen respektiert. Unsere Parlamentskorrespondentin Katy Romy erklärt, worum es bei der Abstimmung geht.
Im Jahr 2024 hat die Schweiz bereits am 27. Mai den Erdüberlastungstag erreicht. Das bedeutet, dass sie anteilsmässig die Ressourcen aufgebraucht hat, welche die Natur bieten und erneuern kann.
Um den Planeten zu schützen, wollen die Jungen Grünen, dass es in der Schweiz keinen «Overshoot-Day» mehr gibt. Deshalb haben sie eine Initiative lanciert, welche die Wirtschaft in der Schweiz dazu verpflichten will, die planetarischen Grenzen einzuhalten.
Der Text setzt eine Frist von 10 Jahren, um dieses Ziel zu erreichen, schlägt aber keine konkreten Massnahmen vor.
Der Begriff der planetaren Grenzen wurde 2009 vom Stockholm Resilience Centre geprägt, einem Forschungszentrum der Universität Stockholm.
Es definiert neun Schwellenwerte, die nicht überschritten werden dürfen, damit die Menschheit in einem sicheren Ökosystem leben kann: Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt, Wasserverbrauch, Landnutzung, Stickstoff- und Phosphoremissionen, Versauerung der Meere, Aerosole in der Atmosphäre, Abbau der Ozonschicht und chemische Verschmutzung.
Die Initiative wird von einer Koalition aus NGOs und linken politischen Parteien unterstützt. Die Regierung, das Parlament, die Wirtschaft sowie die rechten und bürgerlichen Parteien lehnen sie jedoch ab. Sie sind der Meinung, dass der Text der Jungen Grünen den Wohlstand des Landes gefährde und dass die geltenden Gesetze in der Schweiz ausreichen würden.
Editiert von Samuel Jaberg, Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub
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