Zukunft in der Schweiz! Thomas und Alex erzählen, warum…
Die beiden Brüder Alex und Thomas Bianco leben mit ihren Eltern in Italien. Sie markierten auf Instagram ihre Bilder mit #WeAreSwissAbroad. Wir reposteten Fotos von ihnen auf unserem Instagram-Account. Nun erzählen sie ihre Geschichte.
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
5 Minuten
Themen rund um Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, Schweizer Besonderheiten, tägliches Briefing für die Fünfte Schweiz.
Studium der Kommunikationswissenschaften, anschliessend angestellt als Reporter und VJ bei Privatradio und -fernsehen. Seit 2002 bei SWI swissinfo.ch in verschiedenen Funktionen tätig.
Der Fokus meiner Aufgaben passt sich den Bedürfnissen der Redaktion an. Aktuell: Distribution Social Media und Presseschau-Dashboard.
Nach der Berufslehre zum Landschaftsgärtner und Weiterbildung zum Gärtnermeister und Bauführer, studierte ich Kunst. Nach der langjährigen künstlerischen Leitung einer Zürcher Kunstinstitution wechselte ich in die Medien und bin seit 2016 Community Developer bei SWI swissinfo.ch.
Die Bianco-Jungs mit ihrem stolzen Vater in Italien.
swissinfo.ch: Warum haben Eure Eltern die Schweiz verlassen?
Alex Bianco: Ich bin Schweizer durch meine Mutter. Sie lebte nicht lange in der Schweiz und ist jetzt wieder Auslandschweizerin. Sie lebte vier Jahre in der Schweiz, zuerst in St. Gallen, wo sie die Universität besuchte, und dann in Dietikon, wo sie arbeitete.
Damals war sie bereits mit meinem Vater zusammen, der aus Süditalien stammt, genauer gesagt, aus Apulien. Er hatte einen festen Job hier in Italien, weshalb sie sich in den 1990er-Jahren dazu entschied, nach La Spezia zu ziehen, um bei ihm zu sein.
swissinfo.ch: Wann wurde Euch klar, dass Ihr eine Schweizer Seite habt? Und warum interessiert Ihr euch derart stark für die Schweiz?
A.B.: Die Schweiz interessiert mich, weil ich Schweizer bin. Und da ich diese Chance habe, denke ich mit Bestimmtheit an eine Zukunft in der Schweiz.
Thomas Bianco: Ich bin mit der Gewissheit aufgewachsen, Schweizer zu sein. Die Schweiz interessiert mich, weil ich sie als jenen Ort betrachte, wo ich in Zukunft leben und arbeiten will.
swissinfo.ch: Wie sehen Eure Pläne für die Zukunft etwas genauer aus?
T.B.: Ich sehe meine Zukunft komplett rot mit einem weissen Kreuz in der Mitte! Wie sollte jemand die Möglichkeit verschwenden, in der Schweiz leben zu können?
A.B.: Ich sehe meine Zukunft in der Schweiz. Ab Januar 2018 werde ich zehn Monate Militärdienst in der Schweizer Armee leisten, danach möchte ich gerne Zöllner in der Schweiz werden.
swissinfo.ch: Interessiert Ihr Euch für italienische Politik?
A.B.: Nein, in einem Jahr werde ich in die Schweiz ziehen, deshalb interessiert es mich nicht.
T.B.: Auch nicht allzu sehr, da ich in ein paar Jahren in der Schweiz leben werde.
swissinfo.ch: Wo und wie lebt Ihr gegenwärtig, wie ist das Essen dort?
T.B.: Wir leben auf der Grenze von Ligurien und der Toskana. Für die Bewohner bietet diese Region nicht allzu viel, für Touristen aber ist sie ein Paradies wegen ihrer tollen Schlösser, den grünen Hügeln und dem super Essen.
A.B.: Wir leben in Lunigiana, eine kleine Region nahe der Apuanischen Alpen und der toskanisch-emilianischen Apenninen im Norden der Toskana. Das Essen ist fantastisch, jedes Dorf und jede Stadt hat ihre Spezialität. Man kriegt hier alles, auch tolle Meeresfrüchte!
swissinfo.ch: Was ist in Italien besser, schöner als in der Schweiz?
T.B.: Na gut, Italien ist das «Bel Paese», es bietet alles: Meer, Hügel, Berge und Pizza!
A.B.: In Italien haben wir alles, das Meer, Berge; jede Region hat ihre eigene Geschichte. Im Süden waren die Bourbonen, die Aragonier, die Araber, im Norden die Österreicher und das französische Reich, und im Zentrum waren der päpstliche Staat und die Römer. Italien ist eine Mischung von Kulturen und Akzenten. Ich werde alles vermissen.
swissinfo.ch: Welche Gefühle habt Ihr gegenüber der Schweiz?
A.B.: Die Schweiz ist mein Land. Sie hat Berge, gutes Essen wie Fondue, Capuns, Schokolade. Doch es gibt ein Problem: Sie hat kein Meer!
T.B.: Ich liebe die Schweiz! Ich liebe die Städte, die Menschen und die Schokolade!
Machen Sie die globale Schweiz sichtbar: Markieren Sie Ihre Instagram-Bilder mit #WeAreSwissAbroad
Wir werden ausgewählte Bilder und Videos auf unserem Instagram-Account reposten und hoffen, dass wir beim Stöbern im #WeAreSwissAbroad-Stream viele interessante Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer und ihre Geschichten entdecken.
Es ist uns ein grosses Anliegen, auf swissinfo.ch Ihnen und Ihren Erlebnissen in Form von Porträts, Anekdoten und Geschichten eine Plattform zu geben.
swissinfo.ch
swissinfo.ch: Alex, Du bist dieses Jahr 18 geworden. Hast Du bereits an Abstimmungen in der Schweiz teilgenommen?
A.B.: Ja, meine erste Abstimmung war jene vom September 2016. Zum Glück wusste ich über alles Bescheid und konnte mich dazu äussern. Auch bei der November-Abstimmung wusste ich genau, wie ich stimmen werde.
swissinfo.ch: Gibt es Dinge aus der Schweiz, die Ihr vermisst, wenn Ihr nach Ferien wieder zurück nach Italien geht?
A.B.: Ich vermisse die Sauberkeit, die Schweizer Präzision und das Gefühl, in der Schweiz daheim zu sein.
T.B.: Klar, ich vermisse die schönen Aussichten, die frische und saubere Luft und meine Grossmutter, die ich mehrmals pro Jahr sehe.
Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten sind ausschliesslich jene der porträtierten Personen und müssen sich nicht mit der Position von swissinfo.ch decken.
Welche Faktoren sollten bei der Vererbung des Schweizer Bürgerrechts im Ausland berücksichtigt werden?
Sollte es eine Grenze für die Weitergabe des Schweizer Bürgerrechts geben? Oder ist die heutige Praxis zu streng und die Meldung sollte auch nach dem 25 noch möglich sein?
Leben Sie an einem exotischen Ort, wo kaum andere Schweizerinnen und Schweizer leben?
Nur in fünf Nationen leben zurzeit keine Auslandschweizer:innen – zumindest offiziell. Sind Sie auch die oder der einzige Auslanschweizer in Ihrer Region? Erzählen Sie es uns.
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch
Mehr lesen
Mehr
Nina Caprez: «Ich spürte, dass ich auswandern muss»
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
Der Winter erwacht. Der Schnee ist da. Als hätten wir ihn bestellt. «Ist das nicht schön?», fragt Nina Caprez, als sie die Türe öffnet. Es ist die perfekte Bergidylle. Wir sind in Prada, oberhalb von Küblis, einem der sechs grösseren Dörfer entlang der Prättigauerstrasse, die den Reisenden von Landquart Richtung Davos führt. Ein grosses Holzhaus…
Für immer? Priska Baumann erzählt, weshalb sie die Schweiz verlassen hat
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
PLACEHOLDER swissinfo.ch: Aus welchem Grund haben Sie die Schweiz verlassen? Und wann war das? Priska Baumann: Aus dem wohl besten und klischeehaftesten Grund überhaupt – der Liebe wegen. Aber hey – he’s all worth it 🙂 – Dies war vor einem halben Jahr: Am 4. April 2016 bin ich mit meiner schwangeren Freundin, ihrem Mann…
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, …
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
Die SRF-DOK-Serie «Auf und davon»Externer Link ist ein grosser Erfolg. Das Schicksal von Auswanderern interessiert und bewegt viele Menschen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass in einer solch prominent platzierten TV-Sendung nur sehr wenige, ausgewählte Menschen porträtiert werden können. Auch der Fokus auf potentiell brisante Konstellationen und grosse Emotionen ist verständlich. «Auf und davon»…
«Italien sollte sich von der direkten Demokratie der Schweiz inspirieren lassen»
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
swissinfo.ch: Welche Ziele wollen Sie als Mitglied des Auslandschweizer Jugendparlaments erreichen, in der Schweiz und in ihrem Heimatland? Davide Wüthrich: Ich fände es toll, wenn es gelänge, eine neue Plattform zu entwickeln, über die sich junge Auslandschweizer vernetzen könnten. Diese Plattform sollte von jungen Menschen für junge Menschen entwickelt werden, indem man sich auf soziale…
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
«Das Camp ist super, ich bin hier richtig», sagt die 15-jährige Lea aus der südfranzösischen Stadt Montpellier. Sie interessiert sich für die Schweizer Kultur, weshalb sie sich für das Jugendlager «Kultur, Geschichte & Politik» angemeldet hat. Am Tag zuvor hatten die Jugendlichen Genf besucht. «Ich fand den Palais des Nations sehr interessant. Sehr schön und…
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch