"Früh übt sich, im Fussball wie im Fotografieren - meine ersten Sportaufnahmen, entstanden in der Freizeit auf dem 'Fussballacker' in Lyss, um 1946. Dabei stellte ich auch erste Versuche mit Farbfotografie an." (Die folgenden Bildlegenden sind alles Originalkommentare des Fotografen zu seinen Bildern)
Siegfried Kuhn
Feldmarschall Bernard Law Montgomery vor dem Hotel Kreuz Lyss, 1950. "Nach diesem Besuch fuhr Montgomery nach Mürren, wohin ich ihm Abzüge meiner Fotos schickte. Er bedankte sich umgehend mit freundlichen Worten und unterschrieb mit 'Montgomery of Alamein', dem Ort, wo seine Truppen die Wüstenschlacht in Nordafrika gegen die Deutschen gewonnen hatten."
Siegfried Kuhn
"Eine gewaltige Anziehungskraft ging jeweils von Jacqueline Kennedy-Onassis, der einstigen First Lady aus. Wo sie erschien, bildete sich sogleich eine Traube von Reportern und Fotografen, hier im Winter 1966 unterwegs mit dem Schlitten gemeinsam mit den Kindern Caroline und John."
Siegfried Kuhn
"Am 24. Februar 1970 verschütteten mehrere Lawinen das Walliser Dorf Reckingen. Im Katastrophenort angekommen, dokumentierte ich für die 'Schweizer Illustrierte' das traurige Ereignis, die Aufräumarbeiten und später die Ehrung der Toten."
Siegfried Kuhn
Skifahren einmal anders: der Europacup im Gras-Skirennen. Gstaad, im August 1971. Das international Interesse war gross, so erschien eine der Aufnahmen ganzseitig im amerikanischen "LIFE".
Siegfried Kuhn
Zu den bekanntesten Boxsportlern der Schweiz gehört Fritz Chervet, der in den 1970er-Jahren seine grossen Erfolge feierte. Eindrücklich war, wie er sich am 3. März 1972 in der Festhalle in Bern den Europameistertitel im Fliegengewicht erkämpfte. Fritz Chervet, nach dem Erfolg ausgepumpt und in sich versunken.
Fotostiftung Schweiz Winterthur
"Für die 'Allgemeine Volkszeitung' begab ich mich mit einer Journalistin auf die Kleine Scheidegg zu einem Interview mit Clint Eastwood, dem grossartigen Schauspieler und Regisseur, der im Berner Oberland für seinen Film 'Im Auftrag des Drachen' drehte. Bevor ich in Richtung Oberland losfuhr, kam vom Pressechef der Eastwood-Produktion die Meldung, wir sollten uns in einer Woche wieder melden, was ich aber nicht befolgte und einfach hinfuhr. Der Empfang war zunächst verständlicherweise etwas kühl. Mich diskret verhaltend durfte ich aber trotzdem fotografieren." 15. August 1974
Siegfried Kuhn
"Daheim im Elternhaus in Ostermundigen bei Bern mimte Ursula Andress für die Zeitschrift 'L'Illustré' die Modejournalistin und stellte eine Auswahl an Damenmode zusammen", 1979
Siegfried Kuhn
Friedrich Dürrenmatt mit seinem Kakadu 'Lulu', die Aufnahme entstand am 19. Dezember 1980 und erschien in der Jubliäumsnummer zu Dürrenmatts 60. Geburtstag in der 'Schweizer Illustrierten', 1982
Siegfried Kuhn
"Geiselnahmen sind in der Schweiz ein eher seltenes Ereignis. So war das Interesse gross, als im September 1982 Kidnapper die polnische Botschaft in Bern in ihre Gewalt brachten. Das Drama zog sich über drei Tage hin und endete mit der erfolgreichen Befreiung der Geiseln durch die Polizei. Im Bild die ausserhalb der Sicherheitsabschrankungen aufgestellten Kameras der Reporter."
Siegfried Kuhn
"Meine Idee mit Bond-Schauspieler Roger Moore war, ihn in einer ausgefallenen Situation aufzunehmen: in einem Stall, mit einer Kuh beim Melken. Alle drei Wünsche erfüllten sich. Hans Zingre, Landwirt und Skilehrer, half mit und war perplex über seinen illustren Gast. Auch Kuh 'Meieli' leistete geduldig ihren Teil und schaute dazu perfekt in die Kamera. Die Aufnahme erschien 1981 in der 'Schweizer Illustrierten'."
Siegfried Kuhn
"Nach ersten glücklichen Aufnahmen auf dem Hornusserfeld zu Beginn meiner Karriere gelangen mir ebenso schöne an einem Spiel 1986 in Schlosswil. Die Hettiswiler Mannschaft fotografierte ich in einem Moment, wo der Hornuss daherfliegt und die Männer sich gegenseitig Prognosen über den mutmasslichen Aufprallort zurufen." 1986
Siegfried Kuhn
Von Beruf Scherenschleifer und Pfannenflicker, politisch linker als links, Revolutionär und Partisan, so die Kurzbeschreibung Gottfried Bauers, geboren 1905, über sich selber. Sein Leben lang war das ehemalige Verdingkind unterwegs, erst im Alter liess er sich zusammen mit seiner Frau nieder. Im Bild zu sehen bei seiner Mittagsruhe zusammen mit dem Hund 'Netti' im Schlafzimmer. 1979
Siegfried Kuhn
"Mein Besuch 1983 in der Infanterie-Offizierschule 5/83 zog sich über mehrere Wochen hin. Nach eigenem Gutdünken konnte ich Themen aussuchen, die mich interessierten. Die Reportage erschien ein Jahr später mit dem martialischen Titel 'Das Stahlbad' in der 'Schweizer Illustrierten'. Im Bild zu sehen ein Manöver inmitten von Badenden an der Saane." 1984
Siegfried Kuhn
"Mit einer mit Strohblumen gefüllten Hutte führen wir ins Appenzell. Vor dem Waisenhaus, in dem er gewohnt hatte, machten wir die ersten Fotos. Weiter gings auf dem Hof, wo er als Knecht gearbeitet hatte. Auf einer Holzbank an einem nahen Waldrand erzählte uns Krüsi von seinen Campingabenteuern, die er quer durch die Schweiz erlebt hatte, unterwegs mit Zelt und Velosolex."
Siegfried Kuhn
"Kein Bundesrat liess sich bereitwilliger auf meine Inszenierungsideen ein als Adolf Ogi. Seine Sportbegeisterung brachte mich wiederholt auf Ideen, die sich dann auch realisieren liessen, oft auch ohne dass dies Ogi selber merkte, so wie dieser Kopfstand bei sich zu Hause." 1991
Siegfried Kuhn
"Für die Bundesratsreise ins Berner Oberland 1993 gab es einen "Marschplan", der genau festlegte, wann und wo fotografiert werden durfte. Diesmal gehörte ausgerechnet die letzte Etappe, sozusagen die Zielankunft in Ogis Heimatdorf Kandersteg, nicht mehr dazu. Für mich war das unbegreiflich, weshalb ich trotzdem hinfuhr und verbotenerweise fotografieren konnte, wie sich Vater und Sohn Ogi herzlich begrüssten. Wie geahnt, hatte das Bild eine emotionale Kraft, die auch die Jury eines Wettbewerbs überzeugte. Ich bekam dafür den Preis für besondere Leistungen im Bildjournalismus."
Siegfried Kuhn
James Bond beim Melken, oder Bundesrat Adolf Ogi im Kopfstand: Der Fotoreporter Siegfried Kuhn fotografierte während 33 Jahren für das Verlagshauses Ringier. In der Fotopublikation "Siegfried Kuhn Pressefotograf 1959-1995" verrät er einige Geschichten hinter seinen Bildern.
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Thomas Kern wurde 1965 in der Schweiz geboren. Er wurde in Zürich zum Fotografen ausgebildet und begann 1989 als Fotojournalist zu arbeiten. 1990 Mitbegründer der Schweizer Fotografenagentur Lookat Photos. Thomas Kern hat zweimal einen World Press Award gewonnen und wurde in der Schweiz mit mehreren nationalen Stipendien ausgezeichnet. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgestellt und sind in verschiedenen Sammlungen vertreten.
Bilder und Texte von Siegfried Kuhn, Thomas Kern Bildredaktion
Fotografen fotografieren. Manchmal jedoch schreiben sie auch, etwa wenn sie zu ihren Reportagen nicht nur die Fotos, sondern auch die Texte liefern. Oder, wie im Fall von Siegfried Kuhn, nach Abschluss der Karriere ihre Erfahrungen und Erlebnisse zu Papier bringen. Anhand von Fotos, Reportagen und vielen anderen Dokumenten schrieb Kuhn über 140 längere und kürzere Geschichten aus der Perspektive des Mannes hinter der Kamera.
Die Publikation ist Schau- und Leseerlebnis und zugleich eine fotohistorische Informationsquelle einer Epoche, für die Monografien noch rar sind. Als erfrischende Autobiografie der anderen Art gibt der Bildband einen Einblick in die Entstehung von Pressefotografien und ihren Weg in die Illustrierten.
Siegfried Kuhn fotografiert im Sommer 1966 ein japanisches Alpinistenteam auf der kleinen Scheidegg, festgehalten von dem damals bekannten Bergsteiger Toni Hibeler.
Siegfried Kuhn erinnert sich an seine Anfänge: «Knapp zehn Jahre vor meiner Geburt kauften meine Eltern, Alfred und Alice Kuhn-Bodmer, beides gelernte Berufsleute, in Lyss das dortige Fotogeschäft von Roman Hohl. Nun waren es mein Vater und meine Mutter, die im glasbedachten Atelier mit einer fahrbaren Studiokamera Familiengruppen, Hochzeitspärchen und weinende, nackte Säuglinge auf Schaffellen fotografierte. Alle defilierten sie vor dem gemalten Hintergrund mit Eiger, Mönch und Jungfrau und liessen sich für Porträts, Passfotos und Erinnerungsstücke ablichten.»
Traumberuf Pressefotograf
«Den Weg zum Pressefotografen wies mir schliesslich meine Mutter. Ich war gerade zurück von einer Reise, als Sie mir in der ‹Photo-Rundschau›, der damaligen Zeitschrift der Schweizer Fotobranche, ein Inserat des ‹A.T.P. Bilderdienstes› in Zürich zeigte. Ausgeschrieben war die Stelle für einen Reporter. Allerdings nicht in Zürich, sondern im Büro Bern. Ich reagierte sofort, bewarb mich und wurde auch sogleich engagiert, mit einer Bedingung: Ich sollte schnellstens Autofahren lernen!»
«Bei glatter Strasse und Schneetreiben rammte mich am 3. Dezember 1970 in Kosthofen, nahe Lyss, ein Lastwagen. Ich blieb unverletzt und war so geistesgegenwärtig, die Szenerie zu fotografieren.»
Siegfried Kuhn
«Der Traumberuf begann prosaisch. Im Hauptsitz der ‹A.T.P.› in Zürich machten mich die Kollegen mit dem Reporterleben bekannt. Einmal wurde ich hinausgeschickt, durch die Strassen Zürichs zu flanieren, um auffällige und bemerkenswerte Sujets zu fotografieren. Erst nachträglich bemerkte ich, dass ich blindlings am Blumenverkäufer Hans Krüsi, dem uns später freundschaftlich verbundenen Kunstmaler, vorbeigelaufen war.»
James Bond im Kuhstall
«Im Rahmen einer grossen Geschichte über Roger Moore, alias James Bond in Gstaad, war ich mit meiner Bildausbeute noch immer unzufrieden, ich wollte mit dem Weltstar noch etwas anderes ausprobieren. Spontan fragte ich ihn, ob er sich beim Melken fotografieren lassen würde. Roger Moores Reaktion war erstaunlich. Einerseits fand er die Idee keineswegs abwegig. Andererseits konnte er melken!»
Agendablatt der zweiten Augustwoche 1974. Am Donnerstag 15. August fährt er auf die kleine Scheidegg um dort Clint Eastwood zu fotografieren. Die Spesen sind schön aufgelistet.
Siegfried Kuhn
«Das einzige Problem war nur noch, eine Kuh respektive einen Bauern zu finden, und das alles in der knappen Zeit, die uns zur Verfügung stand, über die Runden zu bringen. Moore freute sich spritzbübisch, dass er uns mit seinen Melkkünsten überraschen konnte, und erklärte, dass er sich diese als Kind auf der Farm seines Onkels angeeignet hatte. Unterdessen beeilte ich mich, die Szenerie einzufädeln.
Der Landwirt Hans Zingre, früherer Skifahrer, war hocherfreut und fand es toll, einer seiner Kühe von ‹James Bond› melken zu lassen. Um Melchkäppi sowie Melchrock und Melchhstuhl mit Zingres Hilfe bereitzustellen, fuhr ich voraus. Meine Frau setzte sich zu Moore ins Auto, um ihn auf den Bauernhof zu lotsen. Es klappte alles bestens. Beim Eintreffen der beiden war alles griffbreit. Der Schauspieler setzte sich auf den Melkstuhl und begann mit dem Melken, eine Fliege landete auf seinem Rücken und – welch Glück – die Kuh ‹Meieli› guckte auch noch in Richtung Kamera. Roger Moore grinste, ich drückte auf den Auslöser der Kamera, das Titelbild der ‹Schweizer Illustrierten› war perfekt!»
Siegfried Kuhn
Geboren 1931, absolvierte 1947–1950 seine Lehre als Fotograf in Lyss. Von 1959 bis 1962 arbeitete er als Fotoreporter für den ‹A.T.P. Bilderdienst› in der Niederlassung in Bern, von 1962 bis 1995 war er hauptsächlich für die ‹Schweizer Illustrierte› tätig. Seine Reportagen und Fotos erschienen jedoch in über zwanzig verschiedenen Illustrierten, Magazinen und Tageszeitungen.
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