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Zehn Jahre nach dem Mauerfall – die Schweiz und Deutschland

09. November 1989: die Berliner Mauer zwischen der BRD und der DDR fällt. Indirekt hatte das Verschwinden der Trennlinie zwischen West und Ost auch in der Schweiz mannigfache Auswirkungen, die bis heute andauern.

Als am 10. November 1989 die Mauer in Berlin, der Stacheldraht zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR fiel, verschwand quer durch Europa der Eiserne Vorhang. Indirekt hatte das Verschwinden der Trennlinie zwischen West- und Osteuropa auch in der Schweiz manigfache Auswirkungen, die bis heute andauern. Vor allem musste die Schweiz ihre Neutralität überdenken.

Für den langjährigen Botschafter in der Schweiz in Deutschland, Dieter Chenaux-Repond, ist der Mauerfall von 1989, die Wiedervereinung von Deutschland, ein Wunder. Einmal, dass so etwas möglich wurde und dann weil, wie Chenaux-Repond sagt, alles „ohnen einen Schuss“ über die Bühne ging.
Für den Spitzendiplomaten aus Basel sei es „ein grosser Wurf“ der damaligen Staatsmänner Helmut Kohl, George Bush und Michael Gorbatschow gewesen.
Heute müsse man feststellen, dass der grosse wirtschaftliche Aufschwung, die blühenden Landschaften, die damals in Aussicht gestellt wurden, einer grossen Ernüchterung gewichen seien. Die Zeit der Trennung habe auch die Mentalitäten verändert. Chenaux-Repond findet, in der DDR habe sich eine gewisse Sorglosigkeit breitgemacht. Eine Mentalität, die mit dem westlichen Gedankengut nicht korrespondiere. Doch sei alles nur eine Frage der Zeit. „Das westliche Gedankengut werde sich als attraktiver erweisen“, glaubt Dieter Chenaux-Repond.

Sicherheitspolitik überdenken

Die neue Weltordung hatte auch sicherheitspolitische Auswirkunge auf die Schweiz. Die schon fast mythische Neutralität musste und muss heute noch überdenkt werden. So glaubt der ehemalige Staatssekretär Edourad Brunner, dass die Schweiz ihre aktuelle Neutralitätspolitik aufgeben müsse. Nur dann sei ein Beitritt zur EU denkbar.

Keine Goldgräberstimmung

Sofort nach der Wiedervereinigung in Deutschland sahen die Schweizer Unternehmen, vor allem in der deutschsprachigen Schweiz, die neuen Bundesländer als idealen (Billig)-Standort für Wirtschaftsunternehmen. Die deutsche Mentalität, die grosszügigen Finanzhilfen der deutschen Regierung, die gleiche Sprache, liessen die Gebiete der ehemaligen DDR als idealen Wirtschaftsstandort für Schweizer Unternehmen erscheinen.
Doch heute herrscht die grosse Ernüchterung. Die Goldgräberstimmung ist verschwunden.
„Die lokalen Wirtschaftsförderer versuchen immer noch mit allen Mitteln Investoren anzulocken. Allerdings mit mässigem Erfolg“, sagt der Schweizer Generalkonsul, Walter Kägi, in Dresden.
Denn, aus dem Billigstandort mit hohen Subventionen ist nichts geworden. Die Produktivität in den neuen Bundesländern erreicht 60 bis 70 Prozent des west-Niveaus. Doch stehen die Lohnkosten bei 80 Prozent. Das heisst: die Produktion ist in ostdeutschen Betrieben teurer als in Westdeutschland.
Trotzdem, im Rennen um den „Ausverkauf Ost“ der federführenden Treuhandgesellschaft mischte die Schweiz kräftig mit.139 ehemalige Volkseigenen Betriebe gingen in Schweizer Hand über.Verlässliche Zahlen für das heutige Engagement gibt es nur noch spärlich.

Enteignete Schweizer Vermögenswerte

Das Schweizer Ausenministerium lag schon lange Zeit mit der DDR im Clinch. Gestritten wurde über enteignete Vermögenswerte von Schweizer Bürgern in der DDR. Nach dem Fall der Mauer wurden die Verhandlungen abgebrochen.
Noch heute laufe eine riesige Menge von Verfahren, sagt Urs Müller vom Aussenministerium. Die Verfahren seien kompliziert. In vielen Fällen sei eine direkte Rückgabe, beispielsweise ein enteignetes Gebäude, nicht möglich. Nun müsse eine Entschädigungssume festgelegt werden. Das sei ein komliziertes Verfahren, meint Müller, denn die DDR habe bereits Abgeltung geleistet, doch wisse häufig niemand in welcher Höhe.

Schweizer Kunst und Tourismus liebt Berlin

In den zehn Jahren seit dem Mauerfall übt vor allem Berlin für Schweizerinnen und Schweizer eine grosse Anziehungskraft aus. Entweder hat man den Koffer nach Berlin gepackt oder hat bereits dort das Zelt aufgeschlagen.
Schweizer Künstler zieht es mehr und mehr nach Berlin. Theater, Schriftstellerei, Musik und Bildende Künste. Künstleratelier aller Art sind in Berlin gefragt. Wenn sie wollen, können Sie in Berlin im Durchschnitt jeden Abend eine Veranstaltung mit Schweizer Beteiligung besuchen.

Urs Maurer (SRI)

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