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«Wildlife-Tourism» – auf der Suche nach authentischen Erfahrungen

Ein Mann in Sturmhaube, dahinter Pinguine im Schnee
Antarktis: "Der einzige Ort auf der Welt, an dem Abgeschiedenheit und Natur alles bestimmen." www.chriswildlife.com

Die Wildnis hat Christopher Walti schon früh fasziniert. 2023 gab er seinen Managerjob auf, um als privater Reiseleiter authentische Erlebnisse abseits des Massentourismus zu ermöglichen. Doch die wachsende Jagd nach spektakulären Erlebnissen bedroht Natur und Tiere – wie lässt sich nachhaltiges Reisen realisieren?

Die Liebe zum Reisen hat er von seiner Mutter geerbt, die ihn zum ersten Mal in die Wildnis Afrikas mitnahm. Im Lauf der Jahre ist aus dem einfachen Reisen, um Tiere zu fotografieren, mehr geworden.

«Der Tourist erzählt, wohin er gefahren wurde, die Reisende erzählt, wohin sie gehen wollte… Ich bin eine Art dritte Person, immer auf der Suche nach authentischen Erlebnissen», sagt Christopher Walti.

Im Jahr 2023 gab er seinen Job als Manager in der Schweiz auf, um seiner Leidenschaft zu folgen und sich als privater Reiseleiter auf Reisen abseits der üblichen TourismuspfadeExterner Link zu spezialisieren.

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Für ihn ging es bei seinen Reisen um die Welt nie darum, lediglich eine Liste von Reisezielen abzuhaken, sondern ganz in einen Ort einzutauchen.

«Man muss nur ein paar Dinge mitbringen: ein Fernglas, einen Hut mit Moskitonetz, technische Kleidung, eine Notfallausrüstung und vor allem viel Flexibilität und Offenheit.»

Nie fehlt in seinem Rucksack jedoch die Fotoausrüstung, mit der er Bilder schiesst, die es leicht auf die Titelseiten von National Geographic schaffen könnten.

Gnuherden stürzen sich während der Migration in einen Fluss
Gnuherden stürzen sich während der Migration in den Mara-Fluss im Herzen des kenianischen Masai Mara-Nationalparks. www.chriswildlife.com

Heute ist sein Tagesablauf unberechenbar: Er hat keine festen Arbeitszeiten und kann für eineinhalb Monate verreisen oder zwei Monate ohne Verpflichtungen haben. «Wenn ich freie Zeit habe, nutze ich sie, um neue Orte zu erkunden und meiner Kundschaft Vorschläge zu machen.»

Den Entscheid, seinen sicheren Job aufzugeben, hat er nie bereut, auch wenn es einige Herausforderungen gab: «Wir sind uns oft nicht bewusst, dass man in der Freizeit alles selbst in die Hand nehmen muss. Es gibt keine fremdbestimmten Ziele mehr, man muss sich selbst Ziele setzen und diese auch erreichen.» Schliesslich bedeutet Reisen nicht nur, neue Orte zu sehen, sondern auch, seinen Blick auf die Welt zu verändern.

Bewusste Entscheide für nachhaltigen Tourismus

Der «Wildlife-Tourism» boomt. Nach Angaben der Welttourismusorganisation macht dieser Sektor rund sieben Prozent des weltweiten Tourismus aus und wächst jährlich um drei ProzentExterner Link.

Einerseits kann die Suche nach Naturerlebnissen zum Schutz von Ökosystemen und lokalen Gemeinschaften beitragen, da der Tourismus ein wirtschaftliches Interesse weckt, das die Naturschutzbemühungen verstärkt.

«Auf meinen Reisen habe ich gesehen, dass es ohne wirtschaftliches Interesse kein Interesse gibt, etwas zu retten», sagt Walti.

Andererseits kann die Anwesenheit des Menschen auch eine Bedrohung für die biologische Vielfalt darstellen: So verändern immer mehr Wildtiere aufgrund menschlicher Eingriffe ihr Verhalten.

«Ich habe gelesen, dass einige Löwen wegen des Massentourismus gelernt haben, mit Hilfe der Jeeps zu jagen und sich hinter ihnen zu verstecken, um ihrer Beute aufzulauern.»

In manchen Fällen entwickeln die Tiere erstaunliche Überlebensstrategien: «Ich erinnere mich an ein Impala, das ich immer in der Nähe der Lodge gesehen habe: Es war wild, aber es blieb dort, weil es ein verletztes Bein hatte und wusste, dass es in der Nähe von Lichtern und Menschen vor Raubtieren wie Hyänen sicher war. Das zeigt die Intelligenz der Tiere und wie sehr unsere Strukturen ihr Verhalten beeinflussen.»

Wildtiere in Ruhe lassen

Diese zunehmende Interaktion beschränkt sich nicht auf passives Beobachten, sondern führt oft zu fragwürdigen PraktikenExterner Link, die zusätzlich durch das Streben nach Sichtbarkeit in den sozialen Medien verstärkt werden.

So hat in den letzten Jahren die Zahl der Selfies mit Wildtieren dramatisch zugenommen (+292%)Externer Link. Fast die Hälfte davon zeigt Fehlverhalten, das sowohl die Tiere als auch die Touristinnen und Touristen gefährdet.

Es gibt auch Influencerinnen, Influencer und Medienpersönlichkeiten, die sich beim Spielen mit Löwen oder Hyänen fotografieren oder filmen lassen und diese wie Haustiere behandeln.

Das sendet eine falsche Botschaft und lässt die Menschen glauben, es sei normal oder akzeptabel, sich Wildtieren auf diese Weise zu nähern. Solche Einstellungen verzerren die Wahrnehmung der Tiere in der Wildnis.

«Wenn man umweltfreundlich und nachhaltig reisen und dabei die Natur und die Tiere respektieren möchte, ist es wichtig, sich über offizielle Quellen zu informieren, sich auf Fachpersonen zu verlassen und nicht blind alles zu glauben, was in den sozialen Medien steht», sagt Reiseführer Walti.

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Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub

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